“Tatort” 8.3.2015

Sonntag, 8. März 2015
20:15

Fernsehtipp: “Tatort” am Sonntag, 8.3.2015, um 20:15 Uhr in ORF2

Folge: Grenzfall

Moritz Eisner und Bibi Fellner werden ins nördliche Waldviertel entsandt, weil aus dem Grenzfluss Thaya die Leiche eines Kanufahrers geborgen wurde. Der Mann war hochrangiges Mitglied des tschechischen Geheimdienstes.

Es stellt sich rasch heraus, dass er ermordet wurde. Bei den Nachforschungen treffen die Beiden auf den Journalisten Max Ryba, der scheinbar ebenfalls diesen Fall recherchiert, nicht aber, wie vorerst vermutet, für seine Zeitung, sondern aus privaten Gründen.
Sein Vater ist Mitte der 1960iger Jahre an der österreichisch-tschechischen Grenze verschwunden. Die Spuren des aktuellen Mordes führen die Ermittler zu einem von vielen Grenzzwischenfällen aus den 1960iger Jahren, die bis heute nicht geklärt wurden.

Mit Harald Krassnitzer (Moritz Eisner), Adele Neuhauser (Bibi Fellner), Harald Windisch (Max Ryba), Karoline Zeisler (Maria Strohmayer), Charly Rabanser (Fritz Gassinger), Isabel Karajan (Dani Karger), Lukas Resetarits (Josef Karger), Andrea Clausen (Archäologin), Günter Franzmeier (Prof. Kreindl), Marcel Mohab (Assistent Schmiedt), Darina Dujmic (Ester Tomásová), Michael Fuith (Kurz), Hubert Kramar (Ernst Rauter), Thomas Stipsits (Manfred Schimpf) u.a.

Buch und Regie: Rupert Henning
88:52 Minuten
Jahr: 2014
(Wh. am 09.März, ORF2)

ORF-Premiere: Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser ermitteln in Rupert Hennings „Grenzfall“

Ein „Tatort“, der zum „Grenzfall“ wird – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn für Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser reicht die Spurensuche im neuesten ORF-Krimi ins nördliche Waldviertel an die Grenze zu Tschechien und zurück bis in die 1960er Jahre. Denn nichts ist einfach vergangen. Und so erzählt der jüngste Film am Sonntag, dem 8. März, um 20.15 Uhr in ORF 2 (auch als Hörfilm) die Geschichte von Täter und Opfer diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs und von den fatalen Verstrickungen einer Familie in die gefährliche und unberechenbare Machtpolitik des Kalten Krieges. Die Ermittlungen führen das Austroduo übrigens auch an die Universität Wien, die heuer ihr 650-jähriges Bestehen feiert und für diesen Krimi als rechtsmedizinisches Institut fungierte.

Neben Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser in ihrem zwölften gemeinsamen „Tatort“-Fall standen in weiteren Rollen u. a. wieder Hubert Kramar und Thomas Stipsits sowie Harald Windisch, Charly Rabanser, Karoline Zeisler, Lukas Resetarits, Isabel Karajan, Michael Fuith und Andrea Clausen vor der Kamera. Für Regie und Drehbuch zeichnet erstmals Rupert Henning verantwortlich; der Krimi beruht auf einer wahren Begebenheit. Die Dreharbeiten fanden im Sommer 2014 größtenteils im niederösterreichischen Waldviertel und außerdem auch in Wien (Universität Wien) statt.

Regisseur und Drehbuchautor Rupert Henning: „Nichts ist einfach vergangen“

Seine Mitarbeit an der Ö1-Sendung „Tod an der Grenze. Eine Spurensuche“ hat Regisseur und Drehbuchautor Rupert Henning zu diesem „Tatort“-Krimi inspiriert. Es handelte sich dabei um eine wahre Geschichte aus der Zeit des Kalten Krieges, die Geschichte eines Österreichers, der eines Nachts vom Fischen am Grenzfluss Thaya nicht mehr heimgekehrt war und dessen Verschwinden bis ins Jahr 2009 ungeklärt blieb. Henning über den „Tatort“-Krimi: „Der Film ,Grenzfall‘ soll eine Geschichte über Menschen erzählen, deren Schicksale untrennbar miteinander verbunden sind, obwohl sie jahrzehntelang auf verschiedenen Seiten einer unüberwindlich scheinenden Grenze lebten – bewacht von schwerbewaffneten Soldaten, gesichert und abgeriegelt mit Wachtürmen, Stacheldraht und Minenfeldern. Es ist eine dramatische und aufschlussreiche, letztlich aber auch versöhnliche Geschichte über Täter und Opfer diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Nichts ist einfach vergangen in dieser Region, beinahe jede Familie war auf die eine oder andere Weise von den politischen Verhältnissen im Grenzland unmittelbar betroffen – und die Geschehnisse einer lange zurückliegenden, schicksalsträchtigen Nacht an den Ufern der Thaya wirken bis in die Gegenwart nach.“

„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.“ Ein Satz aus dem Drehbuch, „und er stellt, wie ich meine, gewissermaßen die Essenz des Themas dar“, so Rupert Henning. „Der Mensch begegnet der Wahrheit nicht in Zurückgezogenheit und Isolation, sondern in der möglichst konstruktiven und zugleich möglichst respektvollen Auseinandersetzung mit anderen Menschen wie auch mit den in seiner Zeit entstandenen und zu bewältigenden geistigen und gesellschaftlich-politischen Positionen.“

Über die Verortung des Stoffes im Thayatal: „Ich lebe seit nunmehr über zehn Jahren selbst in Niederösterreich und finde in den vielfältigen Regionen des Landes immer neue Inspiration für meine Arbeit als Autor und Regisseur. Der Landstrich an der Thaya hat mich stets in besonderer Weise fasziniert. Es handelt sich um eine der interessantesten und malerischsten Gegenden, die ich kenne. Das pittoreske Thayatal hat – nicht zuletzt mit dem Nationalpark – im wahrsten Sinne des Wortes ,sehenswürdige‘ und in ihrer Vielfalt beeindruckende Attraktionen zu bieten, die sich hervorragend als Schauplätze für einen Spielfilm eignen. Zudem findet man selten auf so engem Raum eine vergleichbare Dichte an Geschichte und Geschichten. Hier trafen und treffen nicht nur unterschiedliche Klimata aufeinander, sondern – wie in jedem Grenzland – auch unterschiedliche Weltanschauungen und Kulturen, die in einem dynamischen Spannungsverhältnis zueinander stehen. Lange Zeit war dieses Spannungsverhältnis problematisch und trennend, in der Zwischenzeit ist es zweifellos verbindend und in mancher Hinsicht befruchtend.“

Harald Krassnitzer: Atmosphäre, Historie und ein Mordfall

„Das Waldviertel gehört zu den atemberaubenden Gegenden Österreichs, die einem mit ihrer unglaublichen Atmosphäre immer wieder neue und berührende Blicke gönnen“, so Harald Krassnitzer über die Dreharbeiten. Moritz Eisner und Bibi Fellner bezeichnen das Waldviertel als „Ausland“: „Das ist so ein Klassiker aus der Sicht eines urbanen Kommissars. Dieser Wiener Blickwinkel, dass alles, was mehr als 100 Kilometer weg ist, eigentlich schon Ausland ist. Zweitens ist das Waldviertel abgelegen und lange Zeit eine sehr arme Gegend gewesen. Doch heute ist es längst ein sehr beliebtes Ausflugsziel der Wiener und auch ein beliebtes Domizil, wo sie sich gerne Wochenendhäuser mieten oder kaufen. Eine herrliche Waldgegend, vielleicht vergleichbar mit dem Bayerischen Wald. Es ist zudem etwas mystisch besetzt.“

Das Besondere an dem aktuellen Krimi? „Die Atmosphäre des Landstrichs, durch den auch die Menschen geprägt sind. Und: Es ist eine Geschichte, die mit der Historie zu tun hat, in einem Jahr, wo unser Nachbar noch kommunistisch regiert wurde, als eine sehr turbulente Zeit in Europa war, wo es Österreicher gab, die mit dem Geheimdienst der CSSR kollaboriert haben und ihnen Informationen zugetragen haben. Das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns hier bewegen. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir von einem Mann begleitet werden, der seine Vergangenheit sucht und über die Suche nach dieser Vergangenheit letztendlich auch in diese Mordfallgeschichte hineingerät.“

Adele Neuhauser: „,Grenzfall‘ ist anders als die anderen ,Tatorte‘“

Adele Neuhauser, die in ihrer Kindheit viel Zeit im Waldviertel verbracht hat, über den aktuellen Fall: „Das Besondere an diesem ,Tatort‘ ist, dass er einen historischen Hintergrund hat, der aus einer ganz persönlichen Perspektive erzählt wird, weil er die Menschen dieser Region in so eine Verschlossenheit und Sprachlosigkeit, in ein so schuldbeladenes Gefühl katapultiert hat. Sie wurden damals zu Spionen und Spitzeln, aber sie waren jung und man kann ihnen nicht böse sein für das, was sie tun und getan haben. Jetzt dieses Schweigen und Verleugnen der Vergangenheit. Aber es ist nicht nur schwarz-weiß.“ Adele Neuhauser war neun Jahre alt und damals gerade in Prag, als 1968 die Russen einmarschiert sind. Dieser „Tatort“ hat damit für sie auch einen sehr persönlichen Bezug. „,Grenzfall‘ ist ein psychologisch sehr feinfühliger, kluger und erschütternder ,Tatort‘, wunderbar inszeniert und großartig besetzt – er ist anders als die anderen ,Tatorte‘. Ich finde es wichtig, darüber zu sprechen, denn in der Art und Weise, wie man darüber spricht, kann man daraus lernen. Insofern glaube ich, dass noch nicht zu viel gesprochen worden ist. Hier müssen sich unglaubliche Dramen abgespielt haben, die wir uns gar nicht vorstellen können.“

Fernsehtipp: “Tatort” am Sonntag, 8.3.2015, um 20:15 Uhr in ORF2